Vom 11. bis 13. Oktober 2019 findet in Pleasantville, New York, die erste Parkinson-Tischtennis-Weltmeisterschaft statt. Eine bemerkenswerte Veranstaltung, die der Weltverband ITTF organisiert, die ITTF Foundation unterstützt und vom kroatischen Musiker Nenad Bach initiiert wurde.

Denn für den internationalen Musikkomponisten Bach war Tischtennis der Schlüssel, trotz seiner Parkinsonerkrankung wieder Musik zu machen: „Ich habe fünf Jahre nach der Parkinson-Diagnose aufgehört, Gitarre zu spielen, aber dann habe ich angefangen, Tischtennis zu spielen, und ich fühlte mich 50% besser. Jetzt spiele ich wieder Gitarre.“ Die Idee hinter der WM sei, so vielen Menschen wie möglich zu helfen, mit der Krankheit weiterhin glücklich zu leben. 

Nenad Bach’s story

Der Singer/Songwriter und Friedensaktivist, der auch schon zusammen mit Luciano Pavarotti musizierte, erkrankte vor neun Jahren an Parkinson, was sich zunächst durch ein Zittern in seiner Hand äußerte. Ein Jahr später folgte die Diagnose, vor drei Jahren entschloss er sich, keine Auftritte mehr zu geben, da er nicht mehr einwandfrei Gitarre spielen konnte. Bach, der seit 1984 in New York lebt, war in seiner Jugend bereits mit Tischtennis in Berührung gekommen – als ihn ein Freund in ein Tischtenniszentrum einlud, begann er peu à peu, wieder regelmäßig zu spielen. „Ich merkte, dass ich mich tags darauf besser bewegte und besser fühlte“, erzählt Bach der ITTF seine Geschichte. „Also steigerte ich das Training und spielte zwei, drei Mal pro Woche. Sechs Monate später fühlte ich mich zu 50 % besser. Nicht nur physisch, auch psychisch – alles ist besser als zuvor.“ So auch sein Gitarrenspiel, was ihm auch Live-Auftritte wieder ermöglichte.

Wie groß der Anteil des Tischtennisspielens an der positiven Entwicklung seiner Symptome wirklich ist, kann schwer nachvollzogen werden. Bach selbst ist allerdings überzeugt davon, dass es vor allem Tischtennis war, das ihm geholfen und das Fortschreiten der Krankheit verlangsamt hat. „Meine Meinung ist, dass ich durch das Tischtennisspielen andere Nervenbahnen oder sogar Neuronen entwickelt habe“, beschreibt der Musiker, der von seinem Mitstreiter Dr. Art Dubow in dieser Meinung bestärkt wird: „Eine neurologisch anspruchsvolle Aktivität – wie Tischtennis – zu betreiben, hilft dabei, neue Neuronen, die Dopamin produzieren, aufzubauen und zu verknüpfen, um verschiedene motorische und kognitive sowie emotionale Funktionen zu beeinflussen.“ Doch ungeachtet der wissenschaftlichen Fundierung kam es Bach vor allem auf eine Sache an: Da Tischtennis ihm geholfen hat, will er nun auch anderen auf diese Weise helfen. Daher rief er die Initiative ‚Ping Pong Parkinson‘ ins Leben, die unter anderem Turniere für Menschen mit dieser Diagnose ausrichtet. „Unser Ziel war dabei nicht nur, ein Bewusstsein bei den Leuten zu erschaffen, die Parkinson haben und denen geholfen werden kann“, betont Bach, „sondern auch bei den Wissenschaftlern, die mehr über Tischtennis und Gesundheit, vor allem Parkinson, forschen sollten.“

Die ITTF unterstützt die Bemühungen des Künstlers, zumal sich ihre Stiftung unter anderem um den Punkt Gesundheit kümmern möchte. So half der Weltverband dabei, die erste offizielle Parkinson-Tischtennis-WM zu organisieren. Hier sollen die Teilnehmer je nach Schwere der Parkinson-Symptome klassifiziert werden und in drei Wettkampfklassen gegeneinander antreten. Laut der ITTF haben sich neben Spielern aus den USA auch schon Interessenten aus europäischen Ländern, z.B. aus Deutschland, gemeldet. Hierzulande gibt es übrigens auch schon seit mehreren Jahren Turniere, die für Parkinson-Patienten ausgerichtet werden. So veranstaltet etwa die Deutsche Parkinson Vereinigung e. V. Regionalgruppe Siegburg jährlich einen bundesweiten Wettkampf. Interessierte und Betroffene finden zudem auf der Webseite pingpongparkinson.de Informationen. Dass Tischtennis dennoch kein Wunderheilmittel ist, ist auch Nenad Bach bewusst. Für ihn ist etwas anderes entscheidend. „Ich habe Parkinson mit Tischtennis nicht besiegt“, räumt der Musiker ein. „Aber die Angst davor.“

Website der deutschen „Ping Pong Parkinson“-Intiative:
http://pingpongparkinson.de/

Quellen:
https://www.tischtennis.de/news/mit-tischtennis-gegen-parkinson.html
https://www.mytischtennis.de/public/buntes/13774/medizin-tischtennis–ping-pong-gegen-parkinson