Sind Pestizide für Parkinson-Erkrankungen verantwortlich?

Aus einem kleinen Korn wächst meterhoher Mais heran, der neben unzähligen weiteren Pflanzen auf dem Feld steht. Ein Phänomen, von dem der ehemalige Landwirt Harald Sydow schon immer fasziniert war. Jahrzehnte lang führt er erfolgreich und voller Stolz den Hof, den er von seinem Vater geerbt und übernommen hatte. Doch dann folgte der Schicksalsschlag: Mit nur 32 Jahren erhält er die Diagnose Parkinson, sein Leben sollte sich für den heute 57-Jährigen für immer verändern. Mittlerweile lebt er in einem Pflegeheim, seiner Leidenschaft kann er nicht mehr nachgehen. Und er ist sich sicher: Die Arbeit auf dem Feld habe ihn so krank gemacht. Sind etwa Pestizide Schuld? Das sehen Sie im Video.

Pestizide in der Landwirtschaft als unsichtbare Gefahr?

„Ich denke, dass ich mir das bei einem Pestizideinsatz zugezogen hab, denn ich bin sei 1969 in der Landwirtschaft tätig. Und da kann ich mich erinnern, da war es so, dass die Spritzbrühe einem über die Hand lief. Es wusste ja damals keiner, dass das Zeug über die Haut aufgenommen wird.“ Das sagt Harald Sydow in Bezug auf den damaligen Alltag als Landwirt – und zu seiner Vermutung, seine Parkinson-Erkrankung hänge auch mit den gefährlichen Giften zusammen. Er kenne wohl einige Kollegen, die ein ähnliches Schicksal erlitten haben sollen – doch die sind mittlerweile schon verstorben.

Die Medizinerin und Epidemiologin Prof. Beate Ritz, die in ihrer Wahlheimat Kalifornien (USA) lebt, beschäftigt sich schon seit 20 Jahren mit dem Thema. Gibt es wirklich eine Verbindung zwischen Landwirten und der Krankheit Parkinson? Es melden sich weitere Betroffene. Sie ist sich sicher: das Risiko, die unheilbare Nervenkrankheit Parkinson zu bekommen, liegt nicht – wie lange vermutet – nur in den Genen.

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Parkinson schleicht sich unbemerkt heran

Was die Krankheit Parkinson so tückisch macht? Der schleichende Kontrollverlust. Erstmals im Jahr 1817 anhand der Symptome beschrieben, sind mittlerweile rund 350.000 Menschen in Deutschland erkrankt. Meist machen sich die ersten Anzeichen im Alter von 50 bis 90 Jahren bemerkbar, es kann aber auch schon früher diagnostiziert werden. 

Weil im Mittelhirn immer mehr Nervenzellen absterben, kommt es zu einem Mangel an Dopamin. Das wird jedoch benötigt, um Reize zu übertragen. Fehlt es, können unwillkürliche Bewegungen die Folge sein. Heißt: Es kommt zu den für Parkinson so typischen Symptomen des Zitterns oder der Gleichgewichtsstörungen. Woher der angesprochene Dopamin-Mangel in Folge der toten Nervenzellen kommt? Auf jeden Fall spielt die familiäre Vererbung eine Rolle. Sekundäre Parkinson-Syndrome könnten unter anderem aber auch durch bestimmte Giftstoffe oder Medikamente ausgelöst werden. Obgleich die Erforschung der möglichen Ursachen für Parkinson seit vielen Jahren vorangetrieben wird, ist eine vorbeugende Behandlung bisher noch nicht möglich. (vdü)

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05. September 2021 – 15:26 Uhr

Quelle: https://www.rtl.de/cms/parkinson-durch-pestizide-ausgeloest-wenn-das-gift-auf-die-nerven-geht-4825625.html