Häufig treten im frühen Krankheitsverlauf fortschreitende Schlaf- und Riechstörungen auf. Wissenschaftler arbeiten daran, die Krankheit möglichst früh zu erkennen und zu behandeln – schon bevor Betroffene typische Symptome der Parkinson-Krankheit entwickeln.

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Krankheit beginnt schleichend

Die Parkinson-Krankheit bleibt häufig über Jahrzehnte unbemerkt, während im Gehirn immer mehr Zellen abgebaut werden. Wenn das typische Zittern auftritt, ist bereits der größte Teil der entsprechenden Nervenzellen zerstört. Den motorischen Symptomen gehen aber meist jahrelang unklare Symptome voraus. So leiden spätere Parkinson-Erkrankte etwa doppelt so häufig an Verstopfung und Schlafstörungen wie die Allgemeinbevölkerung. Ein schlechter Geruchssinn und Depressionen treten häufiger auf.

Gefahr der Fehldiagnose

Ähnliche Symptome wie bei Parkinson können auch bei anderen Krankheiten auftreten – zum Beispiel bei Altershirndruck, Gefäß- oder Nervenkrankheiten oder einem Tremor. Deshalb kommt es nicht selten zu Fehldiagnosen und überflüssigen Parkinson-Therapien mit belastenden Nebenwirkungen. Das Problem: Eine Parkinson-Diagnose wird von weiterbehandelnden Ärzten kaum hinterfragt. Das Fehlen typischer Symptome führen sie häufig auf die Wirkung der Medikamente zurück.

Schlaf- und Riechstörung als Vorstufe von Parkinson

Als Vorstufe der Parkinson-Krankheit gilt eine sogenannte REM-Schlafverhaltensstörung. Bei dieser Schlafstörung bewegen sich Betroffene im Traum, sie können sich oder ihren Partner sogar verletzen. Ursache ist eine Schädigung des Traumbewegungszentrums im Gehirn. Die Symptome der Schlafstörung lassen sich mit Medikamenten lindern. Doch 70 bis 80 Prozent der Menschen, die im Traum um sich schlagen, entwickeln in den folgenden 10 bis 15 Jahren eine Parkinson-Krankheit. Auch ein zunehmender Verlust des Geruchssinns kann auf eine solche Vorstufe der Parkinson-Krankheit hinweisen.

Biomarker in der Haut

Im Gehirn von Parkinson-Erkrankten spielt ein bestimmter Biomarker, eine krankhafte Eiweißablagerung, eine wichtige Rolle. Er ist ein eindeutiger Beweis für die Parkinson-Krankheit, ließ sich bisher aber erst nach dem Tod im Hirngewebe nachweisen. Wissenschaftler der Universität Würzburg haben den Biomarker auch in der Haut von Betroffenen gefunden. Nun befassen sich die Forscher mit der Suche nach Medikamenten, die gefährdete Zellen des Bewegungszentrums vor der Zerstörung schützen und dadurch eine Parkinson-Krankheit verhindern.

Kommt Parkinson aus dem Darm?

Dass viele Parkinson-Patienten oft Jahre zuvor über Verstopfung klagen, hat Forscher auf eine weitere Spur gebracht: Sie gehen davon aus, dass die Parkinson-Krankheit zumindest teilweise im Verdauungstrakt beginnt. Tierversuche zeigten, dass sich ein falsch gefaltetes Eiweißmolekül (Alpha-Synuclein) bei der Parkinson-Krankheit in den erkrankten Gehirnzellen ablagert. Solche Ablagerungen entstehen, vermutlich aufgrund von Umwelteinflüssen, auch im Nervensystem des Magens und des Darms. Von dort aus könnten die Ablagerungen über den Vagusnerv und seine Verästelungen bis ins Gehirn „wandern“.

Den Forschern gelang es bei Mäusen, das Fortschreiten der Krankheit mit einer Durchtrennung das Vagusnervs zu verlangsamen. Untersuchungen an Menschen, denen wegen eines Magengeschwürs der Vagusnerv durchtrennt worden war, bestätigen die Hypothese: Das Risiko einer Parkinson-Erkrankung ist in dieser Gruppe um 22 bis 41 Prozent geringer als in der Allgemeinbevölkerung.

Expertin zum Thema

Prof. Dr. Daniela Berg, Direktorin
Dr. Eva Schäffer, Assistenzärztin
Klinik für Neurologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein – Campus Kiel
Arnold-Heller-Straße 3
24105 Kiel
www.uksh.de

Weitere Informationen:

Deutsche Parkinson Vereinigung e. V.
Bundesverband
Moselstraße 31
41464 Neuss
www.dpv-bundesverband.de

Deutsche Parkinson Hilfe e. V.
Lortzingstraße 9
14480 Potsdam
www.deutsche-parkinson-hilfe.de

Kompetenznetz Parkinson
Struthweg 1
35112 Fronhausen-Bellnhausen
www.kompetenznetz-parkinson.de

Deutsche Gesellschaft für Neurologie
www.dgn.org
S3-Leitlinie Parkinson (aktueller Stand: 2016)

Dieses Thema im Programm des NDR:
Visite | 16.04.2019 | 20:15 Uhr

Quelle: https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Parkinson-frueh-erkennen-und-behandeln,parkinson121.html