Pflegeheim mit eigenem Wohnbereich für Parkinsonpatienten

Initiatorin war seinerzeit Annemarie Lemanczyk, die ehemalige Leiterin der Parkinson-Regionalgruppe Lörrach, deren Mann 1985 an Parkinson erkrankte. Da sie sich im Laufe der Zeit bewusst wurde, dass sie ihn irgendwann nicht mehr zu Hauses würde pflegen können, informierte sie sich über die Möglichkeiten der Aufnahme in Pflegeheimen und kam bald zu der Erkenntnis: „Da war überhaupt nichts bekannt über die Pflege von Parkinson-Patienten.“ Doch dann war sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Eines Tages kam sie mit dem damaligen Landrat Alois Rübsamen ins Gespräch und dieser war sofort für die Idee zu begeistern, bei der Erweiterung des Pflegeheims „Markgräflerland“ in Weil am Rhein einen eigenen Parkinson-Wohnbereich einzurichten. Es dauerte zwar noch zehn Jahre bis zur Verwirklichung, aber Annemarie Lemanczyk und die Parkinson-Organisationen waren in alle Planungen mit eingebunden. 

So konnte schon im Vorfeld vieles berücksichtigt werden, was den Bewohnern zugute kommt. Das reicht vom speziellen Therapieraum über das Entspannungsbad bis zu so einfachen Dingen wie den „Zebrastreifen“ entlang der Gänge. Die nämlich erleichtern den Menschen mit Bewegungsstörungen das Laufen. Was aber vorher niemandem so richtig bewusst war, ist der unglaublich hohe Behandlungsaufwand, den die Betreuung von Parkinson-Patienten erfordert und der in einem spezialisierten Wohnbereich viel besser bewältigt werden kann als herkömmlich. „Das liegt vor allem an der komplizierten Medikamentenabgabe“, erläutert Pflegedienstleiterin Sabine Gärtner. Bis zu 13 genau festgelegte Einnahmezeiten haben die Parkinson-Kranken. „Viele von ihnen haben außerdem Schluckblockaden, deshalb muss sich das Personal sehr viel Zeit für sie nehmen“, ergänzt Wohnbereichsleiterin Barbara Spielmann. Beim Laufen müssen die Bewohner oft Anleitung und Unterstützung bekommen, die Kommunikation ist vielmals erschwert, weil das Sprechvermögen nachlässt. 

Was das Heim alles tut 

Sehr froh sind Sabine Gärtner, Barbara Spielmann und Heimleiter Hans Kaufmann daher, dass das speziell ausgebildete Team „relativ stabil“ ist. Die Fluktuation ist nicht höher als in den anderen Wohnbereichen des Pflegeheims Markgräflerland – und das, obwohl die Belastung hier höher ist. Lediglich eine Vollzeitkraft mehr als in den anderen Wohnbereichen arbeitet in der Parkinson-Station, und das Geld hierfür muss Kaufmann an anderer Stelle kompensieren. „Wir sind ein Sonderfall, der bei den Krankenkassen nicht vorkommt“, bedauert der Heimleiter. Er kündigt aber an, bei den Kassen für einen Sonderpersonalschlüssel zu kämpfen, der den erhöhten Pflegeaufwand berücksichtigt. „Das wäre unbedingt nötig, um das Fachpersonal fest an uns binden zu können“, sagt Kaufmann. 

Was die Bewohner sagen 

Im Gespräch mit den Bewohnern – 20 leben auf der Station – zeigen sich zwei Dinge. Die Menschen fühlen sich hier wohl, und – auch mit Morbus Parkinson kann man ein hohes Alter erreichen. Seit vier Jahren lebt die 92-jährige Erna Gerdon im Pflegeheim Markgräflerland. „Mir gefällt’s. Ich hab’ zu essen und zu trinken, was will man mehr“, sagt sie. Rege in Anspruch nimmt sie noch immer die Angebote für Spiele und Unterhaltung und gern lässt sie sich im Rollstuhl von Ehrenamtlichen durchs Haus oder durch den Garten fahren. 93 Jahre alt ist Albert Stürzel. Er wohnt seit einem Jahr in der ParkinSonne. „Es ist nicht alles Gold, was glänzt, aber ich bin zufrieden“, beschreibt er seine Situation. Auch er nimmt die Unterhaltungsangebote gern wahr: „Wenn in der Caféteria was los ist, bin ich immer dabei.“ Auch wenn er schon 96 ist, spaziert Nikolaus Kiehl noch immer mit dem Rollator durch die Gänge. „Man wird umsorgt, man bekommt alles, was man braucht“, freut sich der Senior. Wenn er nicht im Haus unterwegs ist, liest er Gebete, und besonders freut er sich auf das gemeinsame Singen – wie übrigens sehr viele seiner Mitbewohner auch. 

Badische Zeitung vom 14.08.2014

Quelle: Menschen mit Parkinson – Pflegeheim Markgräflerland

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